Wann müssen Sie nach der Teilungsversteigerung räumen?

Wann müssen Sie nach der Teilungsversteigerung räumen? Diese Frage bereitet oftmals große Sorge. Mit dem Zuschlag wird der Ersteher ja sofort Eigentümer. Muss man dann am nächsten Tag ausziehen? Und wohin? Steht man dann auf der Straße? Diese Sorge ist aber unbegründet. Man muss natürlich nicht sofort ausziehen. Aber wann muss man denn nach der Teilungsversteigerung räumen?

Also wann müssen Sie nach der Teilungsversteigerung räumen?

Hierzu gibt es keine feste Regel. Aber klar ist: Sie müssen natürlich nicht Knall auf Fall ausziehen. Sondern man wird Ihnen eine angemessene Frist lassen müssen, sich eine neue Bleibe zu suchen. Nur was ist eine „angemessene Frist“? Der eine wird sechs Wochen für ausreichend halten, der andere denkt da eher an sechs Monate. Die Wahrheit mag wie meistens irgendwo dazwischen liegen. Man kann sich natürlich trefflich darum streiten. Im Zweifelsfall kann nur ein Gericht für den Einzelfall entscheiden, wann Sie nach der Teilungsversteigerung räumen müssen.

Aber meistens wird das gar nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wurde. Auch der Ersteher wusste ja bis gestern noch nicht, dass er heute den Zuschlag bekommen würde. Er wohnt ja im Moment auch noch irgendwo anders. Er wird also gar nicht schon morgen einziehen wollen oder können. Normalerweise kann man sich mit dem Ersteher ganz gut einigen. Er ist schließlich kein böser Mensch, nur weil Ihr Haus ihm auch gut gefiel. Er wird Ihnen also normalerweise durchaus eine angemessene Frist lassen, damit Sie nach der Teilungsversteigerung räumen können.

Kann man Sie zwingen, dass Sie nach der Teilungsversteigerung räumen müssen?

Aber selbst wenn es hart auf hart kommen sollte, und man Sie dazu zwingen will, dass Sie nach der Teilungsversteigerung räumen, so ist das immer noch nicht tragisch. Der Ersteher bekommt zwar mit dem Zuschlag einen Räumungstitel, er kann also eine Zwangsräumung gegen Sie beantragen. Diese Zwangsräumung hat dann ein Gerichtsvollzieher vorzunehmen. Da das für den Gerichtsvollzieher eine unangenehme Aufgabe ist, so wird er sich damit Zeit lassen. Schließlich hat er noch andere Aufgaben abzuarbeiten. Dann wird er irgendwann einmal bei Ihnen vorsprechen und Sie zunächst zu einem freiwilligen Auszug zu bewegen suchen. Er wird Ihnen eine Frist setzen, Und nach deren Ablauf noch mal eine Nachfrist.

Wenn es sich dann nicht mehr vermeiden lässt, dann wird er tätig werden. Aber er wird Sie natürlich nicht auf die Straße setzen. So etwas passiert ja in unserem Sozialstaat nicht. Also wird er erst mal eine Ersatzwohnung für Sie suchen müssen. Dabei fallen Maklerkosten an (zwei Monatsmieten), Kosten für die Mietkaution (drei Monatsmieten) und schließlich Kosten für die Möbelspedition. All diese Kosten wird der Gerichtsvollzieher zunächst bei dem Ersteher – seinem Auftraggeber – als Vorschuss anfordern. Diese Kosten möchte der Ersteher natürlich gern vermeiden. Also wird er sich überlegen, ob er wirklich eine Zwangsräumung beauftragen sollte. Insbesondere, wenn Sie ihm gleichzeitig versichern, dass Sie sowieso demnächst nach der Teilungsversteigerung räumen werden.

Und wenn es ganz hart kommt? 

Bis zu diesem Zeitpunkt wird vermutlich mindestens ein halbes Jahr vergangen sein. Wenn Sie dann immer noch keine neue Bleibe gefunden haben, und Sie also noch immer nicht nach der Teilungsversteigerung räumen können, dann bleibt Ihnen immer noch die Räumungsschutzklage. Diesen Prozess werden Sie zwar vermutlich verlieren. Aber Sie gewinnen damit sicherlich mindestens ein weiteres halbes Jahr, bis ein Urteil ergeht. Und danach geht der Vorgang der Zwangsräumung von vorn los, kostet also auch noch mal Zeit.

Weitere Informationen finden Sie unter www.teilungsversteigerung.net.

Sie sehen also, im Ergebnis brauchen Sie keine Angst zu haben, dass Sie ganz schnell nach der Teilungsversteigerung räumen müssen.

Viele Grüße

Ihr Klaus Dreyer

2 Gedanken zu „Wann müssen Sie nach der Teilungsversteigerung räumen?“

  1. Bezüglich der Räumung und Zuschlagserteilung eines Versteigerungsobjektes, habe ich in meinem Bekanntenkreis jemanden, der sich für eine Immobilie interessierte und den Zuschlag auf dem Zwangsversteigerungstermin auch erhielt.
    Jedoch stellte der im Haus lebende Eigentümer wegen psychischer Probleme kurz nach Zuschlag einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens
    ( evtl.Selbstmordgefahr(?)).
    Der Richter hob das Verfahren auf (Zuschlag wurde nach Prüfung der Angelegenheit versagt) und die ganze Sache beginnt von vorn, obwohl weder Frau noch Kinder in dem Haus wohnen (so die Aussage meines Bekannten).
    Im Zuge einer Teilungsversteigerung könnte der im Haus verbliebene Ehepartner evtl. auch ein solches Rechtsmittel anwenden, um das Verfahren wieder neu beginnen zu lassen?
    Auf welcher Rechtsgrundlage fußt das Ganze?
    Ist dies in Ihrer Praxis schon vorgekommen?

    1. Hallo Friedrich,

      die Fakten können so nicht ganz richtig sein. Vermutlich meinte Ihr Bekannter, dass er Meistbietender gewesen ist. Es kann aber nicht sein, dass er auch schon den Zuschlag erhalten hatte. Der Antrag auf Einstellung des Verfahrens muss vor dem Zuschlag erfolgt sein, nicht aber danach.

      Die Behauptung einer Suizidgefahr ist ein beliebtes Spiel, um die – einstweilige – Einstellung des Verfahrens zu erlangen. Das stützt sich auf § 765a ZPO. Danach ist eine Vollstreckungsmaßnahme einzustellen, wenn es sich um eine mit den guten Sitten nicht zu vereinbarende Härte handelt. Das ist so etwas ein „Gummiparagraph“. Die Gerichte lassen sich kaum jemals darauf ein. In dem Ihnen bekannten Fall hat der Richter die Suizidgefahr dann vermutlich als real angesehen, und nicht nur vorgeschoben. So etwas kann natürlich theoretisch vorkommen, ist aber äußerst selten.

      Viele Grüße

      Ihr Klaus Dreyer

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